Myzel einfach erklärt: Was es ist und wie es bei Magic Mushrooms funktioniert
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Myzel ist das lebende Wurzelgeflecht eines Pilzes – und ohne es gäbe es keine Magic Mushrooms. Egal, ob du neu im Anbau bist oder einfach nur neugierig, wie Pilze funktionieren: Wenn du verstehst, was Myzel ist, kannst du besser züchten und weißt, was in deinem Grow Kit eigentlich passiert.
Myzel ist der vegetative Pilzkörper und besteht aus tausenden verzweigten, fadenförmigen Strukturen, den sogenannten Hyphen. Es nimmt Nährstoffe auf, besiedelt das Substrat und bildet schließlich die Fruchtkörper – also die Pilze, die du erntest.
Was ist Myzel?
Das Wort Myzel stammt vom griechischen mykes und bedeutet Pilz. Gemeint ist das gesamte Geflecht aus Hyphen – mikroskopisch feinen Fäden mit nur 1 bis 30 Mikrometern Durchmesser –, aus dem der Pilz besteht. Der Pilz, den du siehst, ist nur der Fruchtkörper, das Myzel dagegen ist der eigentliche Organismus. Es besiedelt dein Substrat, baut Nährstoffe ab und löst die Bildung neuer Pilze aus.
Stell es dir so vor: Wenn der Pilz ein Apfel ist, dann ist das Myzel der ganze Apfelbaum. Der größte Teil des Pilzes liegt verborgen unter der Oberfläche und leistet im Stillen die Arbeit, die die Fruchtbildung überhaupt erst möglich macht. In einem Magic Mushroom Grow Kit ist die weiße, flauschige Schicht, die sich über das Substrat ausbreitet, gesundes Myzel bei der Arbeit – und keine Kontamination.
Wie wächst Myzel?
Myzel wächst, indem sich die Hyphen an ihren Spitzen verlängern und sich auf der Suche nach Nährstoffen und Feuchtigkeit durch das Substrat schieben. Jede Hyphe scheidet Enzyme aus, die komplexes organisches Material – Cellulose, Lignin, Stärke – in einfachere Verbindungen zerlegen, die der Pilz aufnehmen kann. Deshalb besiedelt Myzel Materialien wie Roggenkörner, Braunreismehl und Vermiculite so effektiv – alles gängige Bestandteile von PF-Tek-Substraten.
Die Wachstumsgeschwindigkeit hängt stark von der Temperatur ab. Für Psilocybe cubensis liegt die ideale Temperatur für die Durchwachsung bei etwa 26 °C. Unter 20 °C wächst das Myzel deutlich langsamer. Über 28 °C steigt das Risiko bakterieller Kontamination stark an. Stabile Bedingungen sind der wichtigste Faktor für gesundes Myzelwachstum – deshalb lohnt es sich, bei der Temperatur beim Pilzanbau genau hinzuschauen.
Ein weißes, flauschiges, strangartiges Aussehen ist ein gutes Zeichen. Gesundes Myzel sieht leuchtend weiß aus und breitet sich gleichmäßig aus. Dünnes, schütteres oder fleckiges Wachstum kann auf Stress hindeuten. Grüne, schwarze oder gelbe Stellen sind Anzeichen für Kontamination – entsorge befallenes Material sofort.
Myzel und das Substrat
Das Substrat ist der Nährboden, von dem sich das Myzel ernährt. Bei einem sofort startklaren
kommt das Substrat – meist eine Mischung aus Roggen, Vermiculite und Perlite – bereits vollständig durchwachsen bei dir an. Das Myzel befindet sich im Ruhezustand, gebremst durch die kühle Lagerung. Sobald du es auf die richtige Temperatur bringst, wacht es auf und setzt seine Arbeit fort.
Wenn das Myzel das Substrat vollständig durchwachsen hat, ändern sich die Bedingungen so, dass die Fruchtbildung angeregt wird. Ein leichter Temperaturabfall, eine Luftfeuchtigkeit über 90 % und frischer Luftaustausch signalisieren dem Myzel, dass es Zeit ist, Pilze zu bilden. Dieser Übergang vom vegetativen Wachstum zur Fruchtbildung ist einer der faszinierendsten Prozesse der Mykologie.
Was sind blaue Stellen am Myzel?
Eine der häufigsten Fragen von Züchtern betrifft blaue oder blaugraue Verfärbungen auf dem Substrat oder an den Stielen geernteter Pilze. Das nennt man Blauverfärbung (Bruising) und sie ist völlig normal. Die blaue Farbe entsteht, wenn Psilocin – einer der Wirkstoffe in Magic Mushrooms – bei Kontakt mit Luft oxidiert. Tatsächlich ist die Blauverfärbung ein zuverlässiges Zeichen dafür, dass dein Myzel gesund und aktiv ist.
So unterscheidest du Blauverfärbung von Schimmel: Wische die Stelle mit einem sauberen Wattestäbchen ab. Wenn die Farbe auf das Stäbchen übergeht, ist es wahrscheinlich Schimmel. Bleibt das Blau auf dem Substrat, handelt es sich um eine Blauverfärbung – dann musst du nichts tun.
Myzel jenseits des Grow Kits
Myzel ist nicht nur für den Anbau zu Hause interessant. In Wäldern verbinden riesige Mykorrhiza-Netzwerke die Wurzeln von Bäumen unterirdisch und ermöglichen es ihnen, Wasser, Kohlenstoff und Nährstoffe über Entfernungen von Metern oder sogar Kilometern auszutauschen. Forscher der ETH Zürich haben diese Netzwerke weltweit kartiert und bestätigt, dass bis zu 80 % der Bäume in gemäßigten Wäldern über Myzel miteinander verbunden sind – ein Phänomen, das oft Wood Wide Web genannt wird.
In Ökosystemen spielt Myzel eine entscheidende Rolle beim Abbau. Es zersetzt abgestorbenes organisches Material und führt Kohlenstoff, Stickstoff und Mineralstoffe zurück in den Boden. Ohne Myzel würden Wälder an ihrem eigenen Abfall ersticken. Der Mykologe Paul Stamets argumentiert in seinem vielgesehenen TED-Talk, dass Myzel sogar Lösungen für einige der drängendsten Umweltprobleme der Menschheit bieten könnte – von der Bodenrenaturierung bis zur Bioremediation.
Myzel und mehrere Schübe
Nach der Ernte deines ersten Schubs ist das Myzel immer noch lebendig und aktiv. Bei den richtigen Bedingungen – Feuchtigkeit, Wärme und frische Luft – bildet es einen zweiten Schub und manchmal sogar einen dritten. Deshalb ist es so wichtig, die Pilze sorgfältig zu ernten: mit der sanften Dreh-und-Zieh-Technik, die die Substratoberfläche so wenig wie möglich beschädigt. Eine beschädigte oder aufgerissene Oberfläche kann den Myzelkontakt unterbrechen und deinen nächsten Schub schmälern.
Sobald das Myzel die Nährstoffe im Substrat aufgebraucht hat, bildet es keine Pilze mehr. Dann kannst du das verbrauchte Substrat kompostieren oder es in manchen Fällen an einem feuchten, schattigen Plätzchen im Freien auslegen, wo nach Regen weitere Schübe erscheinen können.
Halte dein Grow Kit zwischen den Schüben feucht und bei der richtigen Temperatur. Ein kurzes Bad in kaltem Wasser – das sogenannte Dunking – kann das Substrat wieder durchfeuchten und das Myzel dazu anregen, einen neuen Fruchtzyklus zu starten.
Myzel im fortgeschrittenen Anbau
Im fortgeschrittenen Anbau arbeiten Züchter direkt mit Myzel statt mit Sporen. Eine
enthält lebendes, aktives Myzel in einer sterilen Nährlösung. Da das Myzel bereits wächst, besiedelt es das Substrat deutlich schneller als Sporen – in der Regel innerhalb von 7 bis 14 Tagen statt 3 bis 5 Wochen. Durch diese Geschwindigkeit verkürzt sich auch das Zeitfenster für Kontaminationen, weshalb Liquid Culture die bevorzugte Methode erfahrener Züchter ist.
Eine weitere Möglichkeit ist der Grain-to-Grain-Transfer, bei dem vollständig durchwachsene Körner in frisches, steriles Substrat eingemischt werden. Das vorhandene Myzel beimpft das neue Material an vielen Kontaktpunkten und erreicht so schnell und zuverlässig eine vollständige Durchwachsung. Dieses Vorgehen lässt sich gut skalieren, wenn du größere Mengen Pilze anbauen möchtest.
| Ausgangsmaterial | Sporenfläschchen, Sporenspritze, Liquid Culture oder Kornbrut |
| Durchwachsungszeit (Sporen) | 3–5 Wochen |
| Durchwachsungszeit (Liquid Culture) | 7–14 Tage |
| Ideale Temperatur für die Durchwachsung | 26 °C (79 °F), dunkle Umgebung |
| Anzeichen für gesundes Myzel | Weißes, flauschiges, gleichmäßiges Wachstum; mögliche Blauverfärbung |
| Anzeichen für Kontamination | Grüne, schwarze, gelbe oder rosa Stellen; fauliger Geruch |
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November 30, 2017